Eva Lichtspiele

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Dienstag, den 01.09.2026:


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Vaterland

...voraussichtlich ab 17. September im Eva oder im Cosima ! 



Regie: Pawel Pawlikowski
Drehbuch: Pawel Pawlikowski, Hendrik Handloegten
Besetzung: Hanns Zischler, Sandra Hüller, August Diehl
Originaltitel: Fatherland
82 Min. fsk 0

Ein schwieriges Verhältnis plagte die Deutschen nach dem Zweiten Weltkrieg mit ihren Künstlern, denen, die im Land geblieben, sich vielleicht auch dem Regime angedient hatten, aber auch mit denen, die ins Exil gegangen waren. So wie Thomas Mann, von dessen Rückkehr nach Deutschland der polnische Regisseur Pawe? Pawlikowski in seinem stilistisch markanten Film „Fatherland“ erzählt, der in Cannes mit dem Preis für die beste Regie ausgezeichnet wurde und Ende Juni des Filmfest München eröffnet.

1949. In seinem kalifornischen Exil bereitet Thomas Mann (Hanns Zischler) seine Rückkehr nach Deutschland vor. Lange Jahre hatte der berühmteste deutsche Autor seiner Zeit sein Geburtsland nicht betreten, hatte aus dem Ausland versucht, auf die Deutschen einzuwirken, Reden geschrieben und im Radio Vorträge gehalten, die sich gegen Hitler und das Nationalsozialistische Regime wandten.

Zur Verleihung des ehrwürdigen Goethe Preis reist Mann nun nach Frankfurt, begleitet von seiner Tochter Erika (Sandra Hüller), die ihrem Vater als Sekretärin und Dolmetscherin dient, aber auch als Verbindung zu Teilen seiner Familie und seiner Emotionen, die der Dichter lieber unterdrückt. Vor allem die Beziehung zu seinem Sohn Klaus (August Diehl) existiert nicht mehr, Klaus lebt in Cannes und wird sich das Leben nehmen, während der Vater in Deutschland weilt.

Kein Grund für Thomas Mann, die Reise zu unterbrechen, stattdessen geht es von Frankfurt nach Weimar, nicht nur der langjährige Wohnort von Goethe, sondern auch eine Stadt im anderen Deutschland. Dort wird Mann von einem belesenen Major der sowjetischen Streitkräfte in Diskussionen über den historischen Materialismus verstrickt und für die lokale Propaganda eingespannt.

Schon in „Ida“ und „Cold War“ erzählte der polnische Regisseur Pawe? Pawlikowski vom Leben im Europa der Nachkriegszeit, „Fatherland“ bildet nun den losen Abschluss einer inoffiziellen Trilogie. Erneut in kontrastreichem schwarz-weiß gefilmt, in den fast quadratischen Bildern des Kinos jener Zeit, in meist starren, brillant komponierten Einstellungen.

Die strenge der Bilder scheint die Emotionen der Manns zu spiegeln, bzw. deren Nichtvorhandensein: Distanziert und kühl scheinen sich Thomas und Erika Mann durch diese Welt zu bewegen, als Vater und Tochter, die notgedrungen in Exil lebten und nun ihre Heimat mit fremden Augen wiedersehen. Mann, der Nobelpreisträger, der Star der Literatur, wird zwar meist mit Begeisterung empfangen, doch auch Beschimpfungen muss er sich anhören, wird als Verräter und Feigling bezeichnet. Der Faschismus liegt erst kurze Zeit zurück, das Land liegt in Trümmern, physisch, aber auch psychisch. Wie kann es hier weitergehen, wie kann man hier leben, fragt jedoch nicht Thomas, sondern Klaus, in der ersten Szene des Films, die den Konflikt zwischen Vater und Sohn andeutet.

Bei Andeutungen wird es jedoch bleiben, denn Pawlikowski, der sich lose von einem Roman des irischen Schriftstellers Colm Toibin hat inspirieren lassen, begnügt sich damit, lose Vignetten aneinanderzureihen, die kaum als Handlung bezeichnet werden können. Um große Themen soll es gehen, um den Umgang mit Schuld, die Kraft der Kultur, aber auch das schwierige Verhältnis eines Vaters zu seinen Kindern.

Michael Meyns (programmkino.de)




  • https://www.neuevisionen.de/de/filme/vaterland-196