Eva Lichtspiele

Blissestrasse 18
10713 Berlin
U Blissestrasse oder Bus 101, 104, 249
Tel.: 030 / 922 55 305
Wir zeigen heute,
Dienstag, den 01.09.2026:


15:00 Eva:
Arrow Hiddensee

17:45 Eva:
Arrow Spaziergang nach Syrakus

20:15 Eva:
Arrow Der Heimatlose

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Wir empfehlen auch den Besuch unserer Nachbarkinos:
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Pfeil Bundesplatz Kino
Eine Komödie mit kritischem und mildem Blick

Nur ein kleines Bisschen Glück (DF)

...zum Bundesstart ab 10. September in den Eva Lichtspielen ! 



Regie: Pascal Elbé
Drehbuch: Pascal Elbé
Besetzung: Benoît Poelvoorde, Pascal Elbé, Audrey Lamy
Originaltitel: La Bonne étoile
104 Min. fsk 12

Eine Komödie mit einem gleichzeitig kritischen und milden Blick auf Frankreich im 2. Weltkrieg. Es geht dabei um ernsthafte Themen wie Flucht, Antisemitismus, Kollaboration und Widerstand.

Pascal Elbé („Schmetterlinge im Ohr“) erzählt von einem sehr wenig heldenhaften Helden, der sich ausgerechnet als Jude ausgibt, um besser durch den Krieg zu kommen – ein Balanceakt, der reichlich gewagt ist, aber dank Benoît Poelvoorde in der Hauptrolle durchaus sehenswert ist. Er macht aus einem ziemlich erbärmlichen Zeitgenossen eine Figur, die immer liebenswerter wird.

Frankreich 1940: Jean Chevalin hat schon nach einem Tag als Soldat der französischen Armee genug vom Krieg. Es reicht ihm, er desertiert und kehrt zurück zu seiner Frau Paulette und Sohn Marcel ins deutsch besetzte Gebiet. Am liebsten würde er mit der Familie in den Süden Frankreichs flüchten, in die unbesetzte Zone. Aber wie? Jean ist nicht gerade mit Bildung oder generellem Durchblick gesegnet, und so schnappt er ein paar Sprüche auf und zieht daraus einen grotesken Schluss: Offenbar haben Juden Geld und Beziehungen – also wäre es doch ausgesprochen praktisch, selbst einer zu sein. Aus Jean Chevalin soll Jacob werden, aus Paulette Sarah und aus Marcel Joseph. Mit gefälschten Papieren macht sich die Familie auf den Weg in den Süden und erfährt am eigenen Leibe, wie schwierig es ist, als jüdischer Flüchtling zu überleben.

Pascal Elbé, der auch das Drehbuch schrieb und als jüdischer Friseur Sam Goldstein eine der Hauptrollen spielt, hat sich mit seiner Geschichte um einen Opportunisten, der sich für schlau hält, in eine ausgesprochen waghalsige Ausgangslage begeben. Seine Geschichte spielt nicht nur mit der Ahnungslosigkeit ihrer Figuren, sondern auch mit dem Wissen des Publikums. Denn Jeans vermeintlich cleverer Plan führt ihn geradewegs in eine Wirklichkeit hinein, von der das Publikum alles, er selbst aber überhaupt nichts weiß. Doch seine Unwissenheit hat nichts von einer liebenswerten Unschuld oder Naivität – er ist selbst schuld, dass er keine Ahnung hat. Bisher hat er sich nicht darum gekümmert, ein anständiger Mensch zu sein. Im Gegenteil: Er schlägt sich mit Schwindeleien und Improvisationskunst durchs Leben. Ausgerechnet die falsche jüdische Identität zwingt ihn jetzt, sich mit dem realen Schicksal der Verfolgten auseinanderzusetzen. Und auf diese Weise wird aus dem faulen und feigen Opportunisten langsam, aber sicher so etwas Ähnliches wie ein guter Mensch.

Elbé bezeichnet den Film selbst als Märchen – und das ist nicht die einzige Ähnlichkeit, die einen Vergleich mit „Das Leben ist schön“ nahelegt. Tatsächlich versucht Pascal Elbé auch hier, die grausame Wirklichkeit in einen Komödienton zu fassen und daraus eine unterhaltsame Geschichte zu gestalten. Ein zentraler Grundgedanke könnte dabei die Frage sein, ob es überhaupt Helden gibt und ob Jean einer ist oder wird. Und natürlich, ob das überhaupt erstrebenswert ist. Das alles geschieht vor dem Hintergrund einer wenig ruhmreichen Phase der französischen Geschichte. Elbé spart nicht an Seitenhieben auf seine Landsleute, auf die Kollaborateure und Antisemiten, die mit verantwortlich waren für das furchtbare Schicksal vieler französischer Juden. Entscheidend ist hier aber weniger die historische Akkuratesse als die Entwicklung des Jean Chevalin zu einem mitdenkenden und mitfühlenden Menschen. Das funktioniert besonders dort besonders gut, wo die Komik aus den Figuren heraus entsteht: beim Beschaffen der falschen Papiere, bei den zahllosen Personenkontrollen oder bei einem Schabbat-Essen, bei dem die Chevalins ihre neue Identität erst einmal überzeugend darstellen müssen. Schließlich wird aus Jean-Jacob sogar, ohne dass ihm das zunächst klar ist, ein Widerstandskämpfer.

Benoît Poelvoorde ist hier in Hochform. Sein Jean ist ein Feigling, ein Drückeberger und Aufschneider, zugleich Familienvater und Überlebenskünstler. Poelvoorde spielt diese Widersprüche als Gesamteindruck einer eigentlich gescheiterten Existenz. Sein Jean stolpert, schwitzt, improvisiert und lügt sich durchs Leben; und manchmal sieht man ihm seine Hilflosigkeit direkt an, bevor er sich mit einer schnellen Idee mal wieder rettet. Gerade weil Poelvoorde jederzeit zwischen Komik, Panik und leiser Empfindsamkeit wechseln kann, wird aus der Karikatur letztlich doch ein sympathischer Mensch.

Audrey Lamy hält als Paulette wunderbar dagegen. Ihre pragmatische Bodenhaftung gibt der Geschichte Halt, weil sie immer entschlossener wird. Ihr konzentriertes, kontrolliertes Spiel bildet einen schönen Gegenpol zu Poelvoordes scheinbar spontaner Unberechenbarkeit; oft genügt ihr eine kleine Geste, um ihre Klugheit und Warmherzigkeit zu demonstrieren. Sie entwickelt sich von der unscheinbaren Ehefrau, die alles mitmacht, zu einer selbständigen Persönlichkeit mit einem eigenen Willen, die sich gegen ihren tollpatschigen und immer leicht dussligen Mann zu behaupten weiß.

Interessanterweise schafft es Pascal Elbé, seinen Antihelden authentisch bleiben zu lassen und ihn nicht nachträglich zum geborenen Widerstandskämpfer zu machen. Und darin liegt vielleicht die sympathischste Idee dieses Films: Ein Loser muss kein Held werden, um sich verändern zu können. Manchmal genügt vielleicht ein kleines bisschen Glück – und die Begegnung mit den richtigen Menschen.

Gaby Sikorski (programmkino.de)

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