Eva Lichtspiele

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Wir zeigen heute,
Dienstag, den 01.09.2026:


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Arrow Der Heimatlose

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Hirten (DF)

...zum Bundesstart ab 10. September im Eva oder im Cosima ! 



Regie: Sophie Deraspe
Drehbuch: Sophie Deraspe
Besetzung: Félix-Antoine Duval, Solène Rigot, Guilaine Londez
Originaltitel: Bergers
113 Min. fsk 12

Ein Aussteigerfilm ohne Aussteigerromantik: Sophie Deraspes „Hirten“ erzählt von einem Werbetexter aus Montréal, der nach einem Zusammenbruch nach Frankreich in die Provence geht und dort Schäfer werden will.

Das ist in oft herrlichen Bildern aus den südfranzösischen Bergen gefilmt und wird mit trockenem Humor erzählt, bietet zugleich aber auch einen realistischen Blick auf eine Arbeit, die mit Naturidylle nur am Rande und viel mit aktuellen Veränderungen und Verwerfungen zu tun hat.

Der Kanadier Mathyas (Félix-Antoine Duval) kommt mit romantischen Vorstellungen und ohne irgendwelches Vorwissen nach Frankreich, um Schafhirte zu werden. Und er hat nicht einmal eine Arbeitserlaubnis, die er sich auch nicht nachträglich besorgen kann, so dass ihm sogar die liebenswerte Einwanderungsbeamtin Élise zur Schwarzarbeit rät. Die Begegnung wird für Mathyas nicht nur zum Startpunkt für seinen Job, sondern auch zum Beginn einer Brieffreundschaft mit Élise.

Die Schafzüchter, bei denen Mathyas anheuert, reagieren zurückhaltend. Schafe treiben und scheren, Zäune setzen, Tiere versorgen und behandeln, Hitze aushalten, allein sein: Der Beruf verlangt Geduld, Kraft und Erfahrung. Sophie Deraspe interessiert sich vor allem für die Entwicklung des Träumers Mathyas („Ich möchte ein Buch darüber schreiben“), der seine Naivität sehr schnell verliert, ohne dass er Erfolge in seinem neuen Beruf feiern kann. Mathyas muss außerdem lernen, dass sich der Sinn des Lebens nicht automatisch deshalb findet, weil man Laptop und Großstadt gegen Berge und Weiden tauscht.

Dass der Film – trotz der manchmal arg leidenschaftlich wummernden musikalischen Begleitung im Klassikstil – nie zum bukolischen Selbstfindungsseminar in schöner Landschaft wird, ist seine große Stärke. Die Regisseurin hat den teil-autobiografischen Roman „D’où viens-tu, berger?“ von Mathyas Lefebure (ja, er hat das Buch geschrieben!) gemeinsam mit dem Autor adaptiert und sich intensiv mit der Welt der Hirten beschäftigt. Dieses genaue, beinahe dokumentarische Hinsehen ist immer spürbar. Arbeit, Wetter, Verantwortung und die Härte des Alltags stehen gleichberechtigt neben der Schönheit der provenzalischen Berglandschaft. Die Anwesenheit von manchmal Hunderten von Schafen wirkt dabei nicht wie ein pittoreskes Spektakel, sondern man versteht: Das ist eine körperliche und manchmal chaotische Gemeinschaftsleistung.

Mit Élise (Solène Rigot), die ihn eigentlich nur besuchen will und dann ebenfalls ihr geregeltes Leben hinter sich lässt, bekommt Mathyas eine Gefährtin, die den Film wohltuend aufpeppt, und zwar zu einem Zeitpunkt, als sich Mathyas in einer schweren Krise befindet. Seine ersten beiden Jobs sind für ihn nur frustrierend. Doch nun scheint es aufwärts zu gehen. Und zwischen Élise und Mathyas entwickelt sich keine knallige Love Story, sondern zunächst eine vorsichtige Nähe aus gemeinsamer Arbeit und geteilter Erschöpfung. Solène Rigot spielt die Élise sehr sympathisch mit ruhiger Entschlossenheit und feinem Witz – eine pragmatische und einigermaßen realistische Frau; Félix-Antoine Duval macht Mathyas’ Mischung aus Naivität, Beharrlichkeit und wachsender Demut glaubwürdig. Sophie Deraspe präsentiert zudem als Nebenfiguren eine ganze Schar an ziemlich knorrigen und teils sehr originellen Gestalten. Sie alle – inklusive der beiden Hauptdarsteller – dürfen zweifeln, scheitern und trotzdem weitermachen, und das macht sie alle irgendwie liebenswert, sogar wenn sie die Schafe wüst beschimpfen und Mathyas schlecht behandeln.

Vincent Gonneville an der Kamera nutzt die Landschaft eindrucksvoll, zwar ohne Postkartenromantik, aber dennoch in berauschenden Bildern, besonders in der zweiten Hälfte des Films. Weite Bergpanoramen stehen neben dunklen, überfüllten Stallungen und man versteht, wie Wind und Wetter, Regen oder die Unberechenbarkeit der Tiere den Menschen an seinen Platz verweisen. Auch Wölfe, Trockenheit und die Sorgen der Tierhalter gehören zu dieser Welt.

„Hirten“ ist eigentlich keine Fluchtgeschichte à la Stadtmaus und Feldmaus, sondern eher ein klassischer Aussteigerfilm über eine Selbstfindung mit einer sanft erzählten Love Story. Vor allem aber geht es hier um die Korrektur romantischer Vorstellungen vom einfachen Leben und um Demut und Respekt vor der Natur. Und nebenbei stellt der Film mit einer beinahe religiösen Dimension die Frage: Was ist ein guter Hirte?

Gaby Sikorski (programmkino.de)



  • https://www.filmkinotext.de/hirten.html