Eva Lichtspiele

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10713 Berlin
U Blissestrasse oder Bus 101, 104, 249
Tel.: 030 / 922 55 305
Wir zeigen heute,
Mittwoch, den 24.07.2024:


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Die Gleichung ihres Lebens

... wieder am Montag und Dienstag (15.7./22.7.+16.7./23.7.) um 15:15 Uhr !

Das unterhaltsame Drama handelt von einer hochbegabten Studentin, deren einzige Leidenschaft die Mathematik ist. Marguerite ist ein anerkanntes Mathe-Genie und steht kurz vor ihrer Dissertation, als ihr im Zusammenhang mit ihrer Forschung zu Primzahlen ein fataler Fehler nachgewiesen wird. Daraufhin verliert Marguerite komplett die Fassung. Aber nicht nur das: Sie schmeißt ihr Studium hin und beginnt ein ganz neues Leben als normale junge Frau. Doch die Mathematik holt sie eines Tages wieder ein.
Anna Novion kombiniert Melodram und RomCom mit einem ungewöhnlichen Thema. Für die Hauptrolle konnte sie die brillante Ella Rumpf gewinnen, die mit viel Sensibilität die hoch intelligente, aber auch verletzbare Mathematikerin spielt.

Le théorème de Marguerite
Frankreich, Schweiz 2023
Regie: Anna Novion
Drehbuch: Agnès Feuvre, Marie-Stéphane Imbert, Anna Novion, Mathieu Robin
Darsteller: Ella Rumpf, Jean-Pierre Darroussin, Clotilde Courau, Julien Frison
Kamera: Jacques Girault
Musik: Pascal Bideau
Länge: 114 Minuten

FILMKRITIK:

Gerade eben war noch alles gut. Doch von einem Moment zum nächsten ist alles dahin: Eine einzige Frage ihres Kommilitonen Lucas (Julien Frison) wirft Marguerite (Ella Rumpf) aus der Bahn, als sie im Vorlesungssaal die Ergebnisse ihrer Doktorarbeit zu Primzahlen präsentiert. Marguerite erkennt sofort ihren Fehler. Doch ihre Reaktion ist ebenso unerwartet wie heftig: Sie legt sich mit ihrem Professor an und verlässt die Uni. Statt weiterzustudieren, sucht sie sich einen Job und zieht mit Noa zusammen, einer Tänzerin, die sie bei einem Assessment Center kennengelernt hat. Für Marguerite beginnt damit zum ersten Mal in ihrem Leben so etwas wie Normalität. Dazu gehört auch Sex, wofür sie sich sogar traut, einfach einen Mann auf der Straße anzusprechen. Doch es dauert nicht lange, da wird sie wieder von ihrer wahren Leidenschaft eingeholt: Als sie in der Nachbarschaft Mah-Jongg-Spieler sieht, springt sofort wieder ihr mathematisch-logischer Verstand an. Sie ist von dem Spiel begeistert, das sie schnell durchschaut, und bald verdient sie richtig viel Geld als professionelle Mah-Jongg-Spielerin, die in den illegalen Spielhöllen der Umgebung ein- und ausgeht. Und irgendwann ist Marguerite wieder so weit, dass sie sich noch einmal ihr Dissertationsthema vornimmt. Damit nicht genug, spricht sie Lucas an, der sie damals aus dem Konzept gebracht hat, und arbeitet fortan mit ihm zusammen.

Im Kern geht es hier um eine junge Frau mit besonderen Talenten, die sich ein normales Leben wünscht, ohne zu wissen, was das eigentlich bedeutet. Bis zu ihrem Scheitern ist Marguerite eine anerkannte Intelligenzbestie, wie eine Mischung aus Sheldon Cooper und Amy Farrah Fowler. Doch im Gegensatz zu Amy aus "The Big Bang Theory" macht Marguerite keine großen Anstrengungen, Freundschaften oder Bindungen aufzubauen. Da muss sie erst noch hinkommen. Ella Rumpf spielt diese komplizierte Persönlichkeit mit viel Einfühlungsvermögen bis in die kleinsten Gesten als leicht versponnene Schwerintellektuelle, die in allem sehr ernsthaft ist und offenkundig introvertiert. Dabei ist Marguerite gar nicht besonders sympathisch. Wenn Marguerite erstmal in die Normalität eingetaucht ist, ändert sich das ein bisschen. Elle Rumpf, die sich immer mehr als Charakterdarstellerin profiliert, verkörpert die Marguerite perfekt: eine Einzelgängerin mit eingezogenen Schultern, einem leicht steifen Gang und mit einer nüchternen Zurückhaltung, die sie lediglich ablegt, wenn sie mathematische Probleme löst. Dann kann sie so richtig aus sich herausgehen – ansonsten ist sie gefühlsmäßig und kommunikativ ziemlich unterentwickelt. Ihre Nüchternheit spiegelt sich auch in der Stimmung des Films wieder, doch sobald sich Marguerite um ein "normales" Leben bemüht, nimmt der Film Fahrt auf. Plötzlich ändert sich nicht nur Marguerite, sondern auch die Bildgestaltung. Das ist sehr schön anzusehen: Die Bilder werden lebhafter und farbiger, sogar die mathematischen Formeln gewinnen an Leben. Wie Marguerite einen Mann anbaggert, wie sie mit Noa zusammenlebt und immer lockerer wird, bis sie irgendwann selbst ein bisschen zu tanzen beginnt, wie sie Mah Jongg spielt und gewinnt, das alles sorgt dafür, dass Marguerite immer sympathischer wird. Da ist es ein bisschen schade, dass sich die Handlung zum Ende hin zwar folgerichtig, aber dennoch etwas konventionell in Richtung RomCom entwickelt. Doch Ella Rumpf macht mit ihrem Charme alles wieder wett.

Gaby Sikorski, programmkino.de