Eva Lichtspiele

Blissestraße 18
10713 Berlin
U Blissestrasse oder Bus 101, 104, 249
Tel.: 030 / 922 55 305
Wir zeigen heute,
Sonntag, den 05.12.2021:


11:00 Eva:
Arrow Bergman Island (DF)

13:15 Eva:
Arrow Weihnachten im Zaubereulenwald KiFiMo

15:30 Eva:
Arrow Tagebuch einer Biene

18:00 Eva:
Arrow Die Unbeugsamen

20:30 Eva:
Arrow The French Dispatch (DF)

Eintrittspreise

W - Was von der Lüge bleibt

... nur am Mittwoch, dem 1. Dezember um 18:00 Uhr in den Eva-Lichtspielen !

Alle, die das Buch "Bruchstücke" von Binjamin Wilkomirski damals gelesen haben und im Regal stehen haben, sei der Film sehr ans Herz gelegt. Allen anderen natürlich auch!


Seine Lebenslegende erfinden: Der Schweizer Rolando Colla hat uns mit seinem Film «W. – Was von der Lüge bleibt» einen brillanten Recherchierfilm geschenkt, der in viele Richtungen zum Denken anregt: Wie glaubwürdig sind Informationen? Was bedeutet Wahrheit? Gibt es verschiedene Wahrheiten?

Das Buch «Bruchstücke. Aus einer Kindheit 1939 – 1948» schlug international hohe Wellen – sowohl als es erschien, wie auch als sich herausstellte, dass die angebliche Autobiografie erfunden war. Der Berufsmusiker Bruno Wilkomirski beschrieb in seinem 1995 erschienenen Werk seine früheste Kindheit in einem Konzentrationslager. Er erhielt dafür Preise, war als Zeitzeuge und Experte gefragt. Nachdem vier Jahre später bekannt wurde, dass es sich bei «Bruchstücke» um Fiction, um eine Art Lebenslegende handelt, Bruno die ganze Kindheit in der Schweiz verbracht hatte, beharrte er zunächst auf der Richtigkeit seiner Erinnerungen. Dann zog er sich zurück und äusserte sich nicht mehr öffentlich – bis Rolando Colla diesen Film realisierte.

Dem 1957 in Schaffhausen geborenen Filmemacher ist es gelungen, mit Geduld, Unvoreingenommenheit und Empathie das Vertrauen Bruno Wilkomirskis zu gewinnen, der in «W. – Was von der Lüge bleibt» erstmals einräumt, das Buch «Bruchstücke» sei keine Autobiografie. Der Film geht nun den Fragen nach, welches Umfeld und welcher persönliche Hintergrund dazu führten, dass Wilkomirski dieses Buch so geschrieben hat und bis zu welchem Grad etwas universell Menschliches in dieser Täuschung liegt. Entstanden ist eine emotional starke, kluge und inspirierende Dokumentarfilm-Perle mit Illustrationen des Comiczeichners Thomas Ott.
(der-andere-film.ch)

Statement bzw. Scheiben des Regisseurs Jo Baier (Regisseur von Filmen wie Filmen wie "Schwabenkinder", "Nicht alle waren Mörder" oder "Das Ende ist mein Anfang") an den Verleih in Deutschland:

Lieber Gerhard Klein,

Selten habe ich bei einem so mitreißenden Dokumentarfilm ein solches Wechselbad meiner Gefühle erlebt, von Empathie bis Abscheu zu Mitleid.

Was für ein großartiger Film! Ich kann es nicht anders sagen. Klug und unaufdringlich nimmt er uns mit auf eine Reise zu einem Menschen, der uns vorführt, was Wahrheit ist, was es sein könnte und welche Vorstellung wir uns davon machen.
Er zeigt uns einen Menschen, der offenbar alle Qualen eines jüdischen Buben im Dritten Reich durchlitten hat, der mehrere Konzentrationslager wie durch ein Wunder überstanden hat. Sogar ein hochgelobtes Buch hat er darüber verfasst.

Und dann stellt sich heraus, es ist alles erfunden! Also ist dieser Mann ein Lügner, ein Hochstapler, einer, der sich etwas anmaßt, was ihm nicht zusteht und ungeheuerlich ist. Sofort sind wir geneigt, ihn zu verurteilen, wir wollen uns über ihn empören wie alle Medienvertreter vor uns, die ihn quasi vernichtet haben.

Doch der Regisseur Rolando Colla ist weitaus klüger. Er zeigt uns bald, wie Unrecht wir haben, wie schnell wir dabei sind, jemanden abzuurteilen, ohne genau hinzusehen. Denn dieser Wilkomirski, der seine jüdische Kindheit, seinen Überlebenskampf in den Lagern erfunden hat, ist tatsächlich ein malträtiertes, geschundenes Menschenkind gewesen. Nicht von den Nazis, das stimmt. Aber von anderen Menschen, die nicht minder herzlos und grausam zu ihm waren. Und er hat dies alles nur auf den Holocaust, auf das eingebildete Judenkind übertragen, bewusst oder unbewusst.
Und auf einmal haben wir großes Mitleid mit diesem Mann, den wir eben noch verurteilt haben.

Das ist die außergewöhnliche Leistung dieses bewundernswerten Filmes und seines Regisseurs, dass wir all das durchleben und uns am Ende fast beschämt fragen müssen: Wie blind werden wir, wenn wir uns betrogen glauben, für eine Wirklichkeit, die eine andere ist als die erwartete?

Dieser Wilkomirski, der eine schreckliche Kindheit hatte, hat sich mit den geschundenen Judenkindern identifiziert. Ja und? Ist das so furchtbar? Ist es nicht vielmehr nachvollziehbar in seiner Situation? Was ist die Wahrheit, was die Wirklichkeit? Hat nicht jeder von uns eine andere Wirklichkeit? Und wissen wir genau, was die Wahrheit ist?

Dieser kluge und zutiefst berührende Film zwingt uns auf unaufdringliche Weise dazu, uns diesen Fragen nach Wahrheit und Wirklichkeit zu stellen, uns zum Nachdenken über eigene Urteile und Vorurteile anzuregen. Und das ist großartig. Ich kann es nicht anders sagen.

Jo Baie (https://wwasvonderluegebleibt.der-filmverleih.de/filmpresskit/)