Eva Lichtspiele

Blissestraße 18
10713 Berlin
U Blissestrasse oder Bus 101, 104, 249
Tel.: 030 / 922 55 305
Wir zeigen heute,
Montag, den 27.09.2021:


15:30 Eva:
Arrow The Father ( DF)

18:00 Eva:
Arrow Mitgefühl

20:30 Eva:
Arrow The Sunlit Night ( DF)

Eintrittspreise

Invictus - Unbezwungen

... unsere Clint Eastwood Hommage wird fortgesetzt

... Nur am Sonntag, 1. August um 15:15 Uhr in den Eva-Lichtspielen !


Wie Nelson Mandela Südafrika davor bewahrte, im Bürgerkrieg zu versinken, könnte der Untertitel dieses Sport-Dramas von Clint Eastwood mit Morgan Freeman und Matt Damon in den Hauptrollen lauten. "Invictus" ist eine Eloge an einen großen Mann und Politiker, exzellent gespielt, souverän gefilmt, schamlos sentimental und enorm mitreißend.

FILMKRITIK:

Gleich die erste Einstellung von „Invictus“ zeigt die ganze Klasse, die Clint Eastwood als Regisseur nach Jahrzehnten des Filmemachens besitzt: Man sieht ein Rugbyteam beim Training, ausschließlich weiße Männer. Der Spielzug bedingt eine Kamerabewegung nach links, ein mächtiger Eisenzaun, mit spitzen Zacken wird sichtbar, die Kamera fährt nach oben, eine Straße kommt ins Bild, dahinter ein vergammelter Maschendrahtzaun und dahinter eine Gruppe Fußballspieler, ausschließlich Schwarze. Eine Einblendung präzisiert Zeit und Ort: Südafrika, 11. Februar 1990. An diesem Tag wurde Nelson Mandela nach 27 Jahren aus dem Gefängnis entlassen, war das Apartheid-System zumindest auf dem Papier beendet.

Doch die sozialen Probleme Südafrikas, die Rassentrennung ging wesentlich tiefer als die Tatsache, dass Schwarze lieber Fußball spielten und Weiße lieber Rugby. Wie nah das Land in jenen Tagen vor einem Bürgerkrieg stand, ist kaum vorstellbar, und auch „Invictus“ vermag dies nur anzudeuten. Die verständliche Wut der jahrzehntelang unterdrückten schwarzen Mehrheit auf die weiße Minderheit, die nun ihrerseits um ihre Pfründe besorgt war, hätte allzu leicht zu Gewaltexzessen führen können, die jede Hoffnung auf ein halbwegs friedliches Miteinander auf Jahre unmöglich gemacht hätte. Wie es Nelson Mandela gelang, Südafrika zu vereinen, das erzählt dieser Film. Zumindest einen Teil der Geschichte. Einen Teil, der sich so unglaublich anhört, dass man ihn nicht hätte erfinden können.

Um die Brillanz von Mandelas Handeln nachvollziehen zu können, ist es nötig, einiges über die Geschichte Südafrikas zu wissen, eine Aufgabe, die der Film sich mit einigen etwas schwerfälligen Szenen entledigt. Kurz gesagt war das Rugby-Team, die so genannten Springboks, ein Symbol des rassistischen Apartheidsystems. Die Aversion der schwarzen Bevölkerung gegen das Team ging so weit, das bei Spielen von Südafrika der jeweilige Gegner unterstützt wurde. Wie es der Zufall bzw. das Schicksal wollte, fand 1995 die Rugby-Weltmeisterschaft in Südafrika statt. Und so machte es sich Mandela zur Aufgabe, das Rugby-Team so zu motivieren, dass es den Titel gewinnen und dabei von allen Südafrikanern – den Weißen und den Schwarzen – angefeuert werden würde. Sein engster Vertrauter wurde der Kapitän Francois Pienaar, gespielt von Matt Damon, der mit großen Augen und unverhohlener Faszination viel dazu beiträgt, dass das Charisma von Morgan Freemans Mandela überzeugend wirkt.

Man mag sich kaum ausmalen, was aus diesem Stoff in den Händen eines weniger subtilen Regisseurs geworden wäre. Zwar ist auch Clint Eastwoods Film oft grenzwertig kitschig, doch Eastwood ist erfahren genug, die Geschichte für sich sprechen zu lassen, ohne die Emotionalität der geglückten Vereinigung zweier verfeindeter Gruppen noch zusätzlich zu betonen. Dass dabei die Komplexität der Historie zu kurz kommt, von den enormen Problemen, mit denen Südafrika seit 1995 zu kämpfen hat ganz zu schweigen, ist kaum zu vermeiden. „Invictus“ ist kein vielschichtiges Bild einer Gesellschaft, sondern eine Ode an einen Mann, der wie wenige andere den Lauf der Geschichte verändert hat. Wie sehr wünscht man sich da, dass in ein paar Monaten bei der Fußball-Weltmeisterschaft immer noch Nelson Mandela auf der Tribüne sitzen würde; zumindest aber Morgan Freeman.

Michael Meyns, programmkino.de