Eva Lichtspiele

Blissestraße 18
10713 Berlin
U Blissestrasse oder Bus 101, 104, 249
Tel.: 030 / 922 55 305
Wir zeigen heute,
Sonntag, den 01.08.2021:


11:00 Eva:
Arrow Vor mir der Süden (DF/ teilw. Untertitel)

13:15 Eva:
Arrow Die Olchis - Willkommen in Schmuddelfing

15:15 Eva:
Arrow Invictus - Unbezwungen

18:00 Eva:
Arrow Der Atem des Meeres

20:30 Eva:
Arrow Nomadland

Eintrittspreise

Der Spion

... am Dienstag (20.7.) um 17.45 Uhr und dann wieder von Sonntag (25.7.) bis Mittwoch (28.7.) jeweils um 18:00 Uhr in den Eva-Lichtspielen!


Der britische Spionage-Thriller führt weit zurück in die Geschichte: Angesiedelt in der Hochphase des Kalten Krieges, zur Zeit der kubanischen Raketenkrise, erzählt er vom britischen Geschäftsmann Greville Wynne. Er kooperierte mit einem sowjetischen Offizier, der den Westen mit zentralen Informationen zum Vorgehen der Sowjets versorgte. „Der Spion“ ist ein auf Tatsachen basierender, engagiert gespielter Film über das Schicksal zweier gänzlich verschiedener Männer, die eine wichtige Rolle in der Kubakrise spielten. Besonnen erzählt und in detailgetreue Bilder verpackt.

FILMKRITIK:

Der Kalte Krieg in den frühen 60ern: Während die russischen Offiziellen darum wettern, ihre Mission in Kuba im Geheimen stattfinden zu lassen ahnen sie nicht, dass sich in ihren Reihen ein Spitzel befindet: Oleg Penkovsky (Merab Ninidze). Penkovsky unterhält seit Jahren geheime Kontakte zum Westen. Und er ist entschlossener denn je zu handeln, als sich der Konflikt mit den USA verschärft und er den Ausbruch eines Krieges befürchtet. Mit seinen streng geheimen Informationen zu den Nuklearplänen der Sowjets, sucht er den Kontakt zum Westen und den Geheimdiensten.

Der britische MI-6 sucht unterdessen nach einer geeigneten, möglichst unauffälligen Kontaktperson, mit der sich Penkovsky treffen kann. Die Wahl fällt auf den Geschäftsmann Greville Wynne (Benedict Cumberbatch), der mit seiner Familie eigentlich ein gewöhnliches, unspektakuläres Leben führt – bis der MI-6 ihn „rekrutiert“. Nach und nach freunden sich Wynne und Penkovsky bei ihren gegenseitigen Besuchen in Moskau und London an. Doch als sich die Kubakrise weiter verschärft, wächst das Misstrauen aller Beteiligten und jeder muss für sich klären, auf welcher Seite er letztlich steht.

Regisseur Dominic Cooke orientierte sich für sein Ende 2018 in Prag und London inszeniertes Spionage-Thriller-Drama an der wahren Geschichte des englischen Geheimdienstmitarbeiters Greville Wynne (1919-1990). Wie er auch in seiner Autobiografie schrieb, war das Verhältnis zum sowjetischen Informanten Penkovsky ein außergewöhnliches. Als Informant und Kontaktperson gewannen sie gegenseitigen Respekt und Achtung voreinander, trotz anfänglicher Vorverurteilungen und Ressentiments. Auf diese besondere, spannende Beziehung der zwei gegensätzlichen Charaktere konzentriert sich ebenso Cooke, der über zwei brillante Hauptdarsteller verfügt.

Mittels einfühlsamer, nuancierter Charakterisierungen von Penkovsky und Wynne findet „Der Spion“ einen Zugang zu den Beweggründen, Motivationen sowie inneren Befindlichkeiten der beiden Figuren. Schnell wird klar: die möglichen Auswirkungen ihrer Entscheidungen und Taten könnten dramatisch sein und nicht nur das eigene Leben gefährden. Oleg Penkovskv ist dabei nicht weniger interessant und ambivalent als der unbedarfte Wynne, der zu allem Überfluss zunehmend private Probleme mit seiner Frau hat.

In seinen früheren Jahren ein partei- und linientreuer Anhänger der sowjetischen Machthaber, entwickelt sich Penkovsky zunehmend zum Kritiker der aggressiven Außen- und Kriegspolitik seiner Heimat – natürlich im Stillen und Verborgenen. Mehr und mehr distanziert er sich von den verbrecherischen Plänen Russlands und entscheidet sich deshalb zu einem (lebensbedrohlichen) „Seitenwechsel“. Lobenswert ist übrigens, dass auch einige Nebenfiguren nicht bloß reine Staffage, sondern tiefgründiger sind, als es zunächst den Anschein hat. Darunter eine empathische CIA-Mitarbeiterin und ein entschlossener MI-6-Vertreter, der um die Sicherheit seines Landsmanns bedacht ist.

Dramaturgisch und inszenatorisch geht Cooke weitestgehend auf Nummer sicher und baut auf etablierte Spionage- und Agentenfilm-Mechanismen. Betont schlicht, unaufgeregt und unaufdringlich erzählt er vom Wagemut einiger um den Weltfrieden besorgter Agenten und Geheimdienstler, denen klar ist, dass Mut meist mit ernsthaften Risiken und der Gefahr des Scheiterns verbunden ist. Zuschauer, die ein Faible für geschichtskundliche, historische Dramen über couragierte Unterhändler (siehe „Bridge of Spies“) haben, kommen bei „Der Spion“ in jeden Fall auf ihre Kosten.

Björn Schneider, programmkino.de