Eva Lichtspiele

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U Blissestrasse oder Bus 101, 104, 249
Tel.: 030 / 922 55 305
Wir zeigen heute,
Sonntag, den 05.07.2020:


10:45 Eva:
Arrow Brot - Das Wunder, das wir täglich...

13:00 Eva:
Arrow Meine Freundin Conni

15:00 Eva:
Arrow La Vérité - Leben und lügen lassen

17:45 Eva:
Arrow Judy DF

20:45 Eva:
Arrow Die Känguru-Chroniken

Eintrittspreise

Der neue Film von Dani Levy ("Alles auf Zucker")

Die Känguru-Chroniken

...nach den erfolgreichen (Hör-)büchern von Marc-Uwe Kling>

... wieder ab 2. Juli täglich in den Eva-Lichtspielen !

Seit gut zehn Jahren gibt es das Känguru, erfunden vom Autor, Liedermacher und Kleinkünstler Marc-Uwe Kling, der für einen Podcast aus seinem fiktiven WG-Leben mit dem sprechenden Känguru erzählte. Nach erfolgreichen Hörbüchern und Büchern mit dem Känguru kommt nun der von Fans heiß erwartete Film. Die episodische Struktur des literarischen Sammelsuriums hat Marc-Uwe Kling in eine durchgehende Handlung verwandelt, spielt dabei jedoch gekonnt mit der Form, wenn er erzählt wie sein anarchisches Alter Ego und das kommunistische Känguru alles daransetzen, die Baupläne eines Nazi-Bonzen zu durchkreuzen. Herausgekommen ist der wohl schrägste und witzigste Film des Jahres.




FILMKRITIK:

Als es an Marc-Uwes (Dimitrij Schaad) Tür klingelt, steht ein sprechendes Känguru davor. Es möchte sich ein paar Zutaten leihen, um Eierkuchen zu machen. Das Känguru kommt noch häufiger, denn nichts ist in der eigenen Wohnung vorhanden, noch nicht mal der Herd. Nach kurzen Irrungen und Wirrungen zieht das Känguru gleich ganz bei Marc-Uwe ein. Ein Jahr später hat man sich in der chaotischen WG zusammengerauft. Das Känguru gibt Marc-Uwe Beziehungstipps, weil der nicht weiß, wie er mit der Nachbarin anbandeln soll, es bringt dem Nachbarsjungen Boxen bei, und ist die treibende Kraft dahinter, die Pläne eines rechten Politikers (Henry Hübchen) zu durchkreuzen. Denn der möchte den Block, in dem alle so schön leben, plattmachen, um einen Nazi-Tower, pardon, den Europa-Tower, zu errichten.

Die Welt von „Die Känguru-Chroniken“ ist eine des zelebrierten Absurden. Dass ein Känguru spricht, ficht niemanden wirklich an. Es ist halt so. Dem Irrsinn der im Film präsentierten Realität wird das Werk aber auch formal gerecht. Schon in den ersten Minuten zeigt man dem Publikum, dass dies alles andere als ein konventioneller Film ist. So hört man Marc-Uwe Kling und das Känguru im Audiokommentar darüber streiten, wie man den Film am besten startet, während der schon läuft – und dann wird den beiden der Ton abgedreht. Aber das ist längst nicht alles, das Finale, das mit seiner Vorhersehbarkeit sicherlich niemanden überraschen wird, wird einfach ganz übersprungen. Weil man ja eh weiß, wie das Ganze ausgeht. Stattdessen nutzt der Film die damit gewonnene Zeit damit, noch ein paar knackige Gags unterzubringen. Die findet man übrigens auch im Nachspann, also nicht gleich aus dem Kino stürmen. Denn auch hier gibt es noch gut was zu lachen.

Ein Film wie dieser steht und fällt natürlich auch damit, wie überzeugend das Känguru gestaltet ist. Mit einem Wort: brillant. Was die Münchner Effektschmiede Trixter, die auch schon für verschiedene Marvel-Produktionen tätig war, hier abgeliefert hat, ist einfach grandios. Der Bewegungsablauf, vor allem aber auch die Mimik des Kängurus sind in jeder Einstellung überzeugend. Man zweifelt niemals an der Existenz des Beuteltiers und wird so direkt in die absurde Welt des Films hineingezogen.

„Die Känguru-Chroniken“ ist in erster Linie ein Spaßfilm für Fans, aber auch für all jene, die bisher noch keine Berührungspunkte mit Marc-Uwe und seinem Mitbewohner hatten. Der Film setzt auf Humor, der Unterbau ist aber durchaus ernst und in seiner satirischen Art beißend. Und das längst nicht nur, wenn das Logo der rechtspopulistischen Partei an die AFD erinnert, das Akronym AZD aber für „Alternative zur Demokratie“ steht. In der Umsetzung von einem akustischen bzw. literarischem Medium zu einem des Sehens geht die Essenz nicht verloren. Im Gegenteil, der anarchische Sinn für Humor, der auch Gags durchzieht, bei denen Verfechter des guten Geschmacks vielleicht die Nase rümpfen, ist das erhebend Frische an diesem Film.

Kaum zu glauben, aber „Die Känguru-Chroniken“ darf man schon jetzt als einen der ungewöhnlichsten Filme dieses Jahres zu feiern – und das in einem Kinojahr, das auch „Jojo Rabbit“ zu bieten hat. Der Erfolg dürfte dem Film sicher sein, und dem Zuschauer damit weitere Begegnungen mit dem Känguru, denn Marc-Uwe Kling hat bereits vier Bücher mit den Abenteuern des Kängurus publiziert.

(Peter Osteried, programmkino.de)